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Für die 15-Minuten-Stadt: Paris hebt 70.000 Parkplätze auf

Beispielloser ökologischer Umbau von Paris

Quelle: Der Schweizer Blog infosperber.ch „sieht, was andere übersehen“ . Dies ist auch ein Thema der Medienkultur und obwohl seit LANGEM vorgesehen in der Rubrik Medienschmankerl, überrascht es manche. Hans Högl

Die Pariser wussten bei der Wahl, was Anne Hidalgo als Bürgermeisterin will, dass die Sozialistin PARIS zu einer grünen Stadt umbauen will mit kurzen Wegen, mit weniger Parkplätzen und weniger Autos. Der stellvertr. Bürgermeister David Beillard kündigte an, die Stadt werde in den kommenden 6 Jahren 70.000 oberirdische Parkplätze aufheben und umnutzen – zu Grünflächen, Spielplätzen sowie Rad- und Fußwegen.

Damit wird in Paris jeder zweite oberirdische Parkplatz verschwinden, von den 550.000 verbleibenden Parkplätzen befinden sich 480.000 in Einstellhallen. In Paris werden 13 Prozent aller Fahrten mit dem Auto gemacht. So sei es «abnormal», dass Autos 50 % der öffentlichen Fläche der Stadt brauchen.

Ab 2021 soll auf Autostrassen in Paris Tempo-30 gelten – einzige Ausnahme ist die Ringautobahn Périphérique. Das Ziel heisst «15-Minuten-Stadt» – eine Stadt, in der alles, was der Mensch im täglichen Leben braucht, innerhalb von 15 Minuten erreichbar sein soll, so der Lebensmittelhandel, Geschäfte, Parks, Cafés, Arbeitsplätze, Schulen, Sportanlagen, Gesundheitszentren. Und das alles zu Fuss oder mit dem Velo. Beim Autofahren sollen jene bevorzugt werden, die das Auto wirklich brauchen: Logistik, Gewerbe, Personen mit eingeschränkter Mobilität.

Während ihrer ersten 6-jährigen Amtszeit wandelte Hidalgo Schnellstraßen entlang der Seine in Flaniermeilen und Radwege um. Die früher verstopfte, drei Kilometer lange Rue de Rivoli, an welcher der Palais du Louvre steht, ist heute ein Radweg.

Das Konzept der 15-Minuten-Stadt lieferte Prof. Carlos Moreno (Sorbonne) und sagte: «Wir wissen, für Menschen ist es besser, in der Nähe ihres Wohnortes zu arbeiten. Und wenn sie da einkaufen und die Freizeit verbringen, können die Menschen ein ruhigeres Leben führen.»

Jedes Quartier der «15-Minuten-Stadt» soll sechs Funktionen erfüllen: Leben, Arbeiten, Versorgen, Sorgen, Lernen und Geniessen…..Das neue Konzept will nicht nur Autostrassen in Radwege umzuwandeln, sondern will städtische Nähe und Aufenthaltsqualität zu schaffen – so für Kinder. Spielplätze und temporäre Fahrverbote sind im Umfeld von Schulen. Die grösste Schwierigkeit für die 15-Minuten-Stadt ist der Weg zur Arbeit.
Das Konzept stammt von der US- Autorin Jane Jacob, die 1961 den Klassiker «The Death and Life of Great American Cities» verfasste.

Frankreich: Grüne Bürgermeister in Großstädten

Frankreichbild-eine Korrektur.

Hans Högl

Dass acht französische Großstädte nun grüne Bürgermeister haben, ist doch überraschend. 2014 war nur in Grenoble ein Grüner Bürgermeister. Nun: 2020 stellen die Grünen in Frankreich in acht Großstädten mit über 100.000 Einwohnern bereits den Bürgermeister. Dies sind folgende Städte: Marseille, Lyon, Tours, Bordeaux, Straßburg, Grenoble, Besancone, Annecy. In Paris ist eine Sozialistin Bürgermeisterin.(Darüber gab es heute in der Frankfurter Allgemeinen eine Reportage).

Corona – Zahlen ohne und mit Hirn

Hans Högl

In der Tageszeitung „Die Presse“ mache ich eine großartige(!), erwartete Entdeckung. Schon lange habe ich darauf gehofft.Aber vielleicht habe ich Manches übersehen. Wer kann denn die mediale Flut überblicken!? Jedenfalls brachte es die Wiener „Presse“ richtig auf den Punkt und schrieb recht vernünftig Folgendes:

In Spanien kommen auf 1 Mio Einwohner 510 Tote durch Covid-19 Erkrankungen.
In Italien auf 1 Mio Einwohner 446 Tote…..
In Frankreich auf 1 Mio Einwohner 357 Tote…..
In Deutschland auf 1 Mio Einwohner 73 Tote…..

Mit anderen Worten: Hier werden endlich die Corona-Toten in Relation zu der Gesamtbevölkerung gesetzt. Ob man Mr. Trump liebt oder nicht, tut nichts zur Sache:
Es leuchtet doch jedem Schulkind ein, dass ich die bloße Zahl der Corona-Toten von riesigen Staaten wie von den USA oder Russland nicht mir denen eines Klein- oder Mittelstaates vergleichen kann, z.B. die der USA mit Monaco oder Spanien, das die Einwohnerzahl des einen oder anderen US-Bundesstaates hat.

Die Anzahl der in den USA an Covid-19 Erkrankten muss in Bezug gesetzt werden zur Zahl der Bewohner der gesamten USA. Der Vergleich von absoluten Zahlen ist irreführend. Aber damit wird nicht selten sinnlos herumgeworfen. Die „Presse“ verglich Daten vom gleichen Tag (den 28.4.) und publizierte sie am Folgetag. Abgesehen davon, gilt weiter zu prüfen, ob die Gestorbenen nur an Covid-19 gestorben sind und nicht auch zusammen mit anderen Krankheiten. Aber das ist noch einmal ein anderer Standpunkt.

Europa – in Vielfalt geeint

Der österreichische Ex-Bundespräsident Heinz Fischer zitiert in seinem Buch „Überzeugungen“ (2006) eine Aussage von Viktor Hugo. Und in Differenz zu Autoren wie Robert Menasse werden auch die Individualitäten und Nationen in den europäischen Staaten gesehen. Darum wählten wir folgendes Zitat.

Hans Högl

Ein Tag wird kommen, wo ihr, Frankreich, Russland, Italien, England und Deutschland, all ihr Nationen des Kontinents ohne die besonderen Eigenheiten Eurer ruhmreichen Individualität einzubüßen, euch eng zu einer höheren Gemeinschaft zusammenschließen … werdet.

Viktor Hugo, 1849 (!)

Industriekultur im Burgund

Frankreich gilt als Kulturland und Burgund ist auch berühmt für Weine. Den historisch Interessierten erinnert es an die glückliche Heirat des Habsburgers Maximilian mit Maria von Burgund. Weniger bekannt ist Burgund in seiner Produktion von Stahl.Nicht zuletzt wir in Österreich blicken zusehr in Technikfragen auf Deutschland. Wegen dieser Besonderheit Burgunds erscheint dieser Beitrag im Blog der Medienkultur.

Hans Högl

Burgund ist seit gallischer Zeit ein Zentrum der Verarbeitung von Eisen. Die Zisterzienser in der Abtei Fontenay betrieben im 12./13.Jahrhundert die damals wohl größte Schmiede der Welt mit einem gewaltigen wassergetriebenen Hammer. 1782 wurde im Ort Le Creusot die Fonderie Royal eröffnet: Sie lieferte dem König, dann der Revolution Kanonen- und machte pleite.

1836 kauften die Brüder Schneider aus Lothringen die leer stehenden Industriegebäude und gründeten ihr Stahlimperium und produzierten Dampfturbinen, Dieselmotoren, Loks, Kriegsgeräte, Gleis. Es wurde Zentrum der französischen Stahlindustrie, ein französisches Pendant der Krupp und deren ernsthafte Konkurrenten und sie sprachen im antideutschen Klima ihren Namen bald lieber „Schneidre“ aus. Es belieferte Frankreich in beiden Weltkriegen mit schweren Waffen. Ein Steinkohlerevier um Monceau-les-Mines war für die Produktion von Stahl sehr wichtig.

In den 1950ern engagierte sich Firmenchef Charles Schneider im französischen Atomkraftwerkbau. 1970 fusionierten die Schneider-Werke mit einem anderen Stahlkocher, und diese meldeten 1984 Insolvenz an. Ganz Frankreich war erschüttert, Tausende arbeitslos, das Imperium zerstückelt. Übrig blieben Schneider-Electric und die Reaktorschmiede Creusot Forge.

In Creusot ist heute ein Museum Ecomusée de l`homme et de l`industrie. Der Schnellkochtopf von 1953 wurde zum Verkaufsschlager im französischen Wirtschaftswunder und wurde in der Nähe von Lyon erzeugt.

Diese Anregungen entnahm ich einem Reiseführer mit einer überraschend ansprechenden Gestaltung, nämlich einem neuen Baedeker(!): Burgund, Ostfildern 2019. 11. überarbeitete Auflage (p.26, 244). Dazu fehlen Informationen im Dumont Reise-Taschenbuch Burgund, Ostfildern 2017.

„Lonely Planet“ – seltsame Lücken im Reiseführer

Hans Högl

In Vorbereitung meiner Reise in den Elsass und in den Burgund plane ich das Geburtshaus des berühmten Theologen und Arztes und Nobelpreisträgers Albert Schweitzer in Kaysersberg in Ostfrankreich zu besuchen.

Ich konsultiere den weltweit bekannten Reiseführer Lonely Planet in der Frankreich- Ausgabe 2017 und suche im Register den Namen Schweitzer Albert. Der Name wurde nicht verzeichnet und auch nicht der Ort seiner Geburt mit dem Museum.
Anstelle auf den Namen Albert Schweitzer stoße ich auf das Stichwort: Schwule unterwegs mit folgenden Seitenangaben S. 144, 500, 994, 1035.

Nun-dass die Autoren von Lonely Planet für diese Minderheit Verständnis haben, ist zu bejahen. Aber dass in diesem dicken Band Albert Schweitzer übersehen wurde, sollte doch im Sinne von mangelhafter Medienkultur vermerkt werden. Darüber hinaus fiel mir wiederholt auf, dass Lonely Planet wenig Interesse für soziale Fragen hat. Aber immer wieder gab es obige Hinweise, und Städte erhalten diesbezüglich ihre Qualifikation….

Europa erfahren: Brüssel, Wien, München

Wir Europäer reisen nach Asien, Amerika, aber kennen wir unser Europa? Vergleichen wir doch angesichts der Hitze europäische Städte – im Blick auf Freibäder und blicken wir auf den Wohnungsmarkt. Dies als Kurzbeitrag unseres Blogs, der inhaltlich abzurunden wäre. Aber doch: Wo erfahren wir das in Medien? Hier also die Sicht eines Wieners, der versucht, objektiv zu berichten – und dies mit der Intention zum besseren Verständnis der Länder. Ich habe an anderer Stelle Positiva über die Weltoffenheit der Belgier geschrieben und die Sprachkenntnisse der Flamen hervorgehoben.

H a n s H ö g l

Heute meldete der österreichische Kultursender Oe 1 Überraschendes: Brüssel sei ohne Freibäder. Und dies bei einer Hitze von 41 Grad Celsius. (NB. Der Name Celsius-Grade verweist auf einen schwedischen Wissenschafter). Doch weit außerhalb von Belgiens Hauptstadt – bei Waterloo- ist eines. Wien hat ein halbes Dutzend Freibäder, ferner es laden auch die Neue und Alte Donau zum Schwimmen ein. Und schon 1,7 Mio Gäste besuchten in diesem Sommer die Wiener Bäder.

Wer in Belgien als Österreicher lebt, staunt dort über Vorurteile und Unkenntnis Österreich betreffend. Kommen Belgier nach Wien, sind sie überrascht über die Lebensqualität und Schönheit von Wien. Ähnliches gilt für Österreich-Urlauber – auch aus den Niederlanden.

Doch manch` wechselseitige Unkenntnis macht betroffen. So bekannte mir gegenüber ein holländischer Korrespondent, seine Landsleute wissen, was sich bei ihren großen Nachbarn England, Deutschland und Frankreich ereignet, aber Österreich wird nicht beachtet, es sei denn eine radikale Anti-Ausländerpartei fällt aus dem Rahmen. Doch Umgekehrtes gilt auch: Unsere Landsleute und die veröffentlichte Meinung agieren teilweise unbewusst so, als wäre Deutschland ganz Europa. Die Größe und Bedeutung Frankreichs kommt viel zu wenig in den Blick. Und über Belgien weiß man ein paar Klischees.

Ein Blick auf die Wohnsituation: In Wien leben 500.000 Menschen in immer noch preisgünstigen (Sozial) Gemeinde-Wohnungen. Zweifellos ist dies ein historisches Verdienst der sozialdemokratischen Stadtregierung (SPÖ). Hingegen beklagen Münchner ihre exorbitanten Wohnungskosten. Auch in Wien stiegen im letzten Jahrzehnt die Preise für Neubauwohnungen so sehr, dass sie für junge Paare kaum erschwinglich sind. In Berlin hat – laut Magazin „Der Stern“- ausgerechnet die rot-grüne Stadtregierung leistbare Wohnungen verschachert.

Alles in allem ist Wien eine lebenswerte Stadt. Ja- in Lebensqualität ist sie die erste weltweit. Doch ist von Österreich und Wien international die Rede, dann und nur dann, wenn die rechtspopulistische Partei Auffälliges produziert. Und österreichische Geschäftsleute im Ausland verzichten gern, immer wieder darauf angesprochen zu werden.

Ziele von Macron. Rede in Versailles

Le Monde.fr avec AFP | 03.07.2017 

Der Präsident der Republik sprach in Versailles über seine  Prioritäten vor dem Kongress und Senat. Er plant eine Reduktion der Zahl der Parlamentarier. Zur Zeit gibt es  577 Kongressabgeordnete und 348 Senatoren.  Durch eine Reduktion würde  die Arbeit flüssiger und das Parlament arbeite besser. C’est un Parlement qui travaille mieux », a-t-il justifié. Actuellement, 577 élus siègent à l’Assemblée nationale, 348 au Sénat.

Es soll weniger Gesetze geben,  unnötige sind abzuschaffen. Diese Anliegen hat Macron schon im Laufe der Präsidentschaftswahl angekündigt.

  • Discours annuel devant le Congrès:  Macron kündigte an, er werde sich jedes Jahr in einer Rede an den Kongress wenden.
  • Ferner sei das Petitionsrecht zu verbessern, damit die Wähler eine größere Chance finden, sich direkt auszudrücken. 
  • Le chef de l’Etat a également dit qu’il n’était pas opposé à un recours au référendum pour valider ces réformes des institutions.
  • Hiermit bringt Macron zum Ausdruck, dass er auch auf Referenden zurück zugreifen denkt,  um  seine Reformen der Institutionen bestätigen zu lassen. 

Ferner betont Macron, dass die Minister verantwortlich bleiben für ihre Aktionen. Selon le président de la République, « les ministres eux-mêmes doivent rester comptables de leurs actions ». (Übersetzung: Hans Högl)

 

 

 

In Paris – Laizismus und Kirche. Eine Reportage

Hans H ö g l

„Mit Geld lässt sich in Paris alles kaufen“, schrieb Balzac mit scharfem Blick auf seine Mitbürger. Auch die Katholische Kirche ließ sich vom Ancien Régime „fördern“: Es war nett und schön für den Klerus, keine Steuern zu entrichten. Und die Kirche lohnte es dem König mit dem Segen von Gottes Gnaden. Darum rächten sich um 1789 die Revolutionäre an der Église. Der französische Laizismus entstand aus einem Kampf gegen die katholische Kirche als Macht. Und 1882 wurden die laizistischen Schulgesetze eingeführt.

Reiseberichte sind bezahlte Auftragswerke. Unserer nicht, und jene in Qualitätsblättern auch nicht. Eine erfahrene Journalistin sagte mir, wundert`s Dich: „Reisejournalismus gehört zu den korruptesten in der Branche.“ Mein sperriges Thema der Reportage: Laizität und Glaube.

Es ist spät am Vormittag, ich stehe am Platz vor Notre Dame und empfinde es als Geschenk, die geglückte Harmonie und die stimmigen Bauteile an der Stirnseite dieses Domes innerlich zu verkosten und bin der Letzte in der hundert Meter langen wartenden Menschentraube; aber dann geht es zügig voran. Am Haupttor kontrollieren drei bullige Schwarze Handtaschen und tasten den Körper nach Gefährlichem ab. Der Eintritt in den Dom ist frei. Anfangs bin ich verwundert, doch dann dämmert mir: Der französische Staat erhält die Kirchengebäude. Der Klerus lebt heute von Spenden der Gläubigen. Die Kirche ist arm und glaubwürdig. Napoleons nützte den zeitlosen Glanz und die religiöse Aura von Notre Dame und krönte sich hier selbst zum Kaiser.

Von der Metrostation Cité ist es zu Fuß nicht weit zum Centre Pompidou. Leider – Dienstag ist Ruhetag. Ich schlendere durch Nebengassen und erblicke die Außenwände der Kirche St. Martin. Der Staub der Zeit hat die Kirchenmauern geschwärzt. St. Martin wirkt beiseitegelassen, heruntergekommen und baufällig, aber der Innenraum ist echt passabel.

Etwas erstaunt mich – ein ziemlicher Auflauf von Leuten vor einem unscheinbaren Gebäude. Eine Menge Leute. Vor einer Schule, einer katholischen, dem Collège St. Jean Gabriel.  Kinder kommen vereinzelt aus dem Haus, einige mit Zeugnissen in der Hand. Rund jedes sechste französische Kind besucht in Frankreich eine katholische Privatschule, es sind 17 %, die Eltern zahlen Schulgeld, der Andrang ist übergroß.

Frankreich ist seit langem Missionsland. Die Säkularisierung hat breiteste Kreise erfasst. Das öffentliche Schulwesen ist laizistisch. Ohne Schulkreuze, ohne Gebet, ohne Religionsunterricht. Im Musée de l` Homme erstand ich die Broschüre „La République et ses Valeurs expliquées aux Enfants». Da wird Kindern erklärt, was ihre Rechte und Pflichten sind, wie sie gegen Gewalt und Rassismus auflehnen sollen, und es wird ihnen die Laizität der Schulen erklärt.

Da heißt es:   Religionen behaupten Dinge, was Wissenschaft nicht bewiesen hat, z.B. dass Gott existiert oder das Leben nach dem Tode. Die einen haben Glauben, die anderen sind „athée“ – so einfach ist das gestrickt. Auf eineinhalb kleinen Seiten geht`s im Stakkato-Schritt gleich über drei Religionen hinweg, den Islam, das Juden- und Christentum. Da Kinder so unbedarft über Weltreligionen die Schule verlassen, landen manche aus Ignoranz in den Fängen von Sekten, wie mir ein mir ein Franzose nachdenklich mitteilte. Die letzten Seiten der Broschüre handeln von Pressefreiheit. Ihre einzige Grenze: Sie dürfen nicht zu Hass und Mord aufzustacheln, aber Religionen können dem Spott ausgesetzt werden. Wie sich dies einprägte, zeigen Massenaufläufe bei Charlie Hebdo und im Slogan „Je suis Charlie“.

Schauplatzwechsel: Mit Mühe fand ich während der Euro ein brauchbares Quartier im Osten von Paris, bei der Porte Vincennes, genauer in St. Mandé. Die Wirtin des Bistro: „ In Paris kennt niemand unseren Stadtteil“. Der junge Mann in der Papeterie sagt mir: „Hier in St. Mandé ist es ruhig und die Wohnungen sind teuer. Es gibt keine Migranten.“ Ich sehe in einer Seitengasse die katholische Ortskirche. Äußerlich in gutem Zustand und mit hohem Turm. Samstag um 18 Uhr ist Abendmesse. Mir passt gerade der Zeitpunkt, um einen neugierigen Blick in sie zuwerfen. Ich erwartete –medial vorgefasst – in dem doch recht geräumigen Kirchenraum ein kleines Häufchen an Kirchgängern. So stellt man sich Frankreichs Kirche vor. Nichts dergleichen. Es hatten sich doch rund 150 Menschen und nicht wenige junge Paare eingefunden. Das hintere Viertel der Bänke war unbesetzt. Und mit inniger Verve wurden Lieder gesungen. Auch in St. Mandé entdecke ich im Pfarrblatt eine Reihe von katholischen Schulen verzeichnet. Die Jugend wird zur Pilgerfahrt nach Polen eingeladen. Dies als Impressionen von Paris.