Schlagwort-Archive: Brexit

Warnung vor Übertreibung bei Globalisierung

Kevin O`Rourke,  Prof. Univ.Oxford

Hier fasse ich zentrale die Passagen eines  außergewöhnlichen Interviews  dieses  irischen Prof. für Wirtschaftsgeschichte zusammen (Hans Högl).

Frage: Wie erklären Sie den Unmut der Wähler für die globale wirtschaftliche Integration? Beispiele sind der Brexit-Entscheid  und die Wahl von Trump: „Es wäre sonderbar, wenn wir den Unmut nicht hätten.So stagnieren in den USA die Löhne der Mittelklasse seit bald vier Jahrzehnten, während die wirtschaftliche Ungleichheit wächst.“ Diese Entwicklung  kann durch die Öffnung der Schwellenländer (wie China) erklärt werden  und durch die Bevorzugung der Banken (Bankenkrise).

Warum manifestiert sich die Unzufriedenheit besonders in den USA und Großbritannien? Anwort: In diesen Ländern hat sich das Pendel am stärksten zum Markt und weg vom Staat bewegt. Die sozialen Netze wurden immer löchriger…Es wäre wichtig, das zu sichern, was wir haben. Nicht noch mehr Privatisierung nicht noch weniger Steuern der globalen Konzerne.

„Wenn man fordert, es brauche eine Politik völlig offener Grenzen in Europa, birgt dies die Gefahr, bei faschistischen Regierungen zu enden. ..Wer die Verpflichtungen gegenüber Flüchtlingen und  Asylbewerbern erfüllen will, darf bei der Migrationspolitik nicht utopisch werden. Es gilt politische Sensibilität zu zeigen. Das können aber Ökonomen aber oft nicht besonders gut.“

Ferner kritisiert der Autor folgende  Auffassung: Höhere Gewinne  durch die Globalisierung seien am Schluss für alle besser. Das ist der Irrtum des sogenannten  Kaldor Hicks Kriterium. „Jeder Ökonomiestudent sollte verpflichtet sein, zehn mal vor dem Zubettgehen zu sagen: Kaldor Hicks is not a fix“. Dieses Kriterium trifft am ehesten in skandinavischen Ländern mit hohen progressiven Steuern zu,  wo auch soziale Absicherung gegeben ist (NZZ, 2017-11-22).

 

 

 

 

 

Ein Europa, das wir wollen: Pro-EU- Impulse.

Hans Högl – Originalbericht

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union führt in der jüngeren Generation zu bedeutsamen, auffälligen Gegenbewegungen in diversen Ländern. Dies wurde deutlich am 12. Mai im ganztägigen Symposion Der Mensch im Zentrum im Haus des Europäischen Parlaments in Wien.

Der rechtspopulistische Diskurs, die reelle EU-Krise und das überzogene Krisengerede[1] rufen Pro-Europa-Impulse hervor. Aus der Erfahrung von Gefahr entsteht neue Identität. Die Podiumsdiskussion – Ein Europa, das wir wollen – verdient spezielle Hervorhebung. Hierbei trat die jüngere Generation als aktive Zivilgesellschaft auf: Bürgerforen, pro-europäische Initiativen und Organisationen.

Der Künstler Alexander Göbel betonte: Es fehle das Gefühl, Europäer zu sein.[2]. Josef Zeisel vertrat die IG-Eurovision und das Projekt European Public Sphere, Tassilo Seidl-Zellbrugg, Vorstandsmitglied der Initiative Zivilgesellschaft, engagiert sich in der Europäischen Kreditinitative, Andreas Müller kam von Democracy international. Und präsent war die Junge Europäische Bewegung (JEB). Ein Kinderchor des Piaristengymnasiums sang die Europahymne. Diese Initiativen entstanden vielfach nach dem Brexit, und ihr Anliegen ist der Bestand und die Vertiefung des des europäischen Projektes.

[1] a) Der Jurist Wolfgang Kretschmer und die Europa-Abgeordnete Eva Lichtenberger betonten, dass im Alltag die europäischen Gesetze gut funktionieren. b) Bemerkenswert war der Hinweis von Dr. Ulrich Habsburg-Lothringen: Die EU müsse neben den romanischen und germanischen Nationen auch den slawischen mehr Beachtung schenken. c) Kommissar Johannes Hahn betonte am 11. Mai in einem Vortrag in Klosterneuburg, dass die Einstimmigkeit in der Außen- und Sicherheitspolitik einen Hemmschuh darstelle, aber große Länder keine Änderung wünschen.

[2] Eine konstruktive erste Antwort darauf sind der Entwurf eines Europa-Logos  mit 12 gelben Sternen auf blauem Grund, die herzförmig angeordnet sind und die von Bürger*innen verfasste „Europäische Deklaration“. Vgl. das Buch: Peter Gowin und Nana Walzer: Die Evolution der Menschlichkeit. Wege der Gesellschaft von morgen (Wien 2017, Verlag Braumüller).