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Im Dezember ans Rote Meer?! Ägypten- Sicherheit

Hans H ö g l  – Reportage

Vor Jahrzehnten erlebte ich am Roten Meer die Farbenpracht der Fische am Korallenriff. Eine unvergessliche Erfahrung! Sie  bewog mich,  zum Schnorcheln in die wohl sicherere  südliche Region am Roten Meer, nach  Marsa Alam,  zu reisen. Der Zeitpunkt – vor Weihnachten – war familiär bedingt. Zwar gäbe es im November/Dezember immer etwas Wínd, aber dessen diesjährige Konstanz in der Woche vor Weihnachten erstaunte auch langjährige Gäste. So war Tauchen und Schnaucheln nur an wenigen Tagen empfehlenswert. Angeblich finden sich Resorts mit windgeschützten Buchten. Das Meerwasser war überraschend angenehm – um die 24 Grad C., die Pools ein wenig kühler. In der geräumigen Lobby des Hotels schmückten  die Angestellten Christbäume für die Gäste. Ein Ägypter sagte mir im Gespräch: „Wenn die Christen bei uns Weihnachten feiern, dann machen wir Moslems eine Party und besuchen uns gegenseitig.“ Tatsache ist, dass seit vielen Jahrhunderten Kopten in Ägypten friedlich mit den Moslems leben. Extreme Einzelereignisse dürfen uns nicht den Blick vernebeln.

Resorts sind wie paradiesische Inseln an der langen, oft sandigen Küste, umzäunt,  geschützt und bewacht an allen Außengrenzen. Auch das Flughafenpersonal kontrolliert die Passagiere doppelt, überaus sorgfältig, alle hatten auch die Schuhe auszuziehen.

Bereichernd war es für mich, vom orientalisch anmutenden, gefälligen  Hotel in die nahe Kleinstadt Quseir zu fahren, die Rezeption lieh mir ein Rad,  und so berührte ich  den bunten Alltag  der kleinen Leute Ägyptens  und sah Verschattetes: So sitzen viele Männer ohne Beschäftigung untertags herum. Gesprächen bestätigten es. Ein ausgebildeter Buchhalter sagte mir: „Ich arbeite schon sechs Jahre als Kellner in der Pizzaria. In Ägypten gibt es wenige Jobs.“  Die Empfangsdame in der Rezeption ist überqualifiziert. Sie hatte eine touristische Hochschule besucht. Und dennoch wirken die Menschen hier freundlich und geduldig, ja manchmal heiter.

Aufwertung des ägyptischen Regimes durch Österreich

Sympathiebekundungen von Außenminister Sebastian Kurz für den ägyptischen Herrscher bei seinem Kairo-Besuch rufen Bedenken und Verwunderung hervor.

Udo Bachmair

In Ägypten gibt es systematische Verfolgung oppositioneller Gruppen mit Massenverhaftungen, Verurteilungen zu langjährigen Haftstrafen und einer unfassbaren Anzahl von Todesurteilen“. Mit diesen Worten begründete der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert die Absage seines Treffens mit dem ägyptischen Staatschef Abdel Fatah al-Sisi.

Kaum ein Thema für Österreichs Medien. Offenbar auch nicht für Außenminister Sebastian Kurz. Er scheint keine Berührungsängste mit dem umstrittenen Präsidenten zu haben, der sein Land mit eiserner Hand im Griff hält. Ganz im Gegenteil: Kurz äußerte während der in harmonischer Atmosphäre verlaufenen Visite in Kairo durchaus Verständnis für Positionen des autoritären Machthabers.

Brüssel suche in Kairo einen Partner im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ (IS), Ägypten spiele dabei eine „wesentliche Rolle“, rechtfertigte Kurz seine Aufwartung im Kairoer Machtzentrum. Da spielt es keine Rolle, dass der frühere demokratisch gewählte Präsident zum Tode verurteilt worden ist…

Unserem Außenminister wären besorgte Überlegungen des besonders profunden Ägyptenkenners ORF-Korrespondent Karim El-Gawhari zu empfehlen gewesen. El-Gawhari auf Facebook :

„ Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz erklärt bei seinem Kairo-Besuch, dass der ägyptische Präsident Abdel Fatah El-Sisi die bessere Alternative zu den Muslimbrüdern darstelle. Europa brauche El-Sisi im Kampf gegen den IS. Auf die Menschenrechtslage in Ägypten könne durch Dialog Einfluss genommen werden. Das wirft einige Fragen auf?

  1. hat Europa durch Dialog die Menschenrechte in Ägypten irgendwo verbessert? Es werden immer noch hunderte in Massenprozessen fern jeglicher Rechtstaatlichkeit zu Tode verurteilt.
  2. Wenn ich ein System, das die Muslimbrüder kriminalisiert und das jegliche auch liberale Protestbewegung unterdrückt, als bessere Alternative bezeichne, glaube ich dann wirklich, dass damit Stabilität geschaffen wird, sprich, dass mit der Akzeptanz des kleineren Übels das größere verschwindet ?
  3. Wenn die Muslimbrüder nicht Teil des politischen System sind, welche Alternative lasse ich den Islamisten, außer sich zu radikalisieren und zu militarisieren ?

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