Was wünschen Sie sich vom ORF?

Hans Högl
Am 7. u. 8. Juni findet die ORF-Medienenquete der Regierung statt. Der ORF selber hat sich darauf vorbereitet und legte  ein 332 Seiten starkes Buch vor mit dem Titel: „Public Open Space – Zur Zukunft öffentlich-rechtlicher Medien“. Darin  sind 55 wissenschaftliche Beiträge enthalten.
Gleichzeitig startet der ORF eine Publikumsbefragung, die Zuschauer und Hörer dazu anregen soll, Ihre Vorstellungen mitzuteilen:
„Was wünschen Sie sich vom ORF?“
a) über orf.at  (rechts oben ist die Rubrik: Publikumsbefragung) –
b) telefonisch 0800/55 66 44
c) persönlich an den „Unterwegs in Österreich“-Standorten. (Letzteres ist mir nicht  klar).

Vorteile des EU-Datenschutzes

Hans Högl

Wann immer ich in den letzten Wochen über die Datenschutz-Grundverordnung reden hörte, dann über die Herausforderungen und Belastungen der Firmen. Als Konsument bin ich nun froh, dass mir die Chance geboten wird, all jene newsletter abzumelden, die mich überfluten.  Ärgerlich bleibt z.B. Twitter, deren Abmeldung von Infos mir Kopfzerbrechen macht.

 

Vereinigung für Medienkultur im Gespräch

Meeting der Vereinigung für Medienkultur

RADIKALISIERUNG DER SPRACHE

Wohin soll das noch führen..?

Udo Bachmair spricht mit Univ. Prof. Dr. Fritz Hausjell

Auch das Publikum ist herzlich eingeladen, mitzudiskutieren.

Das Team der Vereinigung für Medienkultur freut sich über Ihre Anregungen und Impulse auch zu anderen Fragen.

Ort:            Cafe Kreuzberg,  Neustiftgasse 103,  A-1070 Wien
Zeit:          Donnerstag 24. Mai 2018 – 19 Uhr

Eintreffen ab 18:30 / Beginn: 19:00

Eintritt frei / Buffet frei

Anmeldung erbeten an: stifter@medienkultur.at

 

 

Für den Erhalt der „Wiener Zeitung“

Hans Högl. Kommentar

Die große Schlagzeile der Wiener Zeitung am 17. Mai 2018  lautet: „ORF steht vor größten Veränderungen seit Jahren“. Ich verfolge seit sechs Uhr früh die Nachrichten in Ö1. Kein Wort ist von der Sitzung des ORF-Stiftungsrates zu hören. Während sonst in den ORF-Nachrichten auf bevorstehende, wichtige Ereignisse verwiesen wird, herrscht in den Ö1-Nachrichten bisher in eigener Sache Schweigen. Am Abend wird dies nicht mehr zu vermeiden sein. Die bisherige ORF- Redaktionslinie ist klar: So wenig Wind wie möglich  von der eigenen Sache zu machen. Tatsache ist: Am Abend gab es dazu in ZIB 2 aus ausführliches Interview mit dem neuen Vorsitzenden des Stiftungsrates, Norbert Steger.  

 Pluralität von Medien ist wichtig. Ich persönlich schätzte die Wiener Zeitung, wo ich auch über Veränderungen des ORF-Publikumsrates umfassend informiert wurde.

Es ist bedauerlich, dass die jetzige Regierung zumindest angedacht hat, der Wiener Zeitung die wichtigsten Einnahmen zu streichen, nämlich die Mitteilung der Bilanzen der großen Firmen. Der Wiener Zeitung haftet noch das Image nach, einfach hin ein Amtsblatt zu sein. Im Gegenteil: Es finden sich darin viele selbstrecherchierte Beiträge, und mir gefällt die Buntheit der Kommentare. Und der nüchterne, knapp-sachliche Stil ist vertrauenswürdig. Im Übrigen. Menschen in Pension erhalten das Jahresabo der Wiener Zeitung um 99 €.

Wissenschaft und Verschleierung

 

Hans Högl. Kommentar

Wissenschaft emanzipierte sich im Laufe der Jahrhunderte – von Staat und Kirche. Diese Freiheit der Wissenschaft war oft relativ; denn Professoren wurden meist dann ernannt, wenn sie zumindest in etwa in die politische Landschaft passten. Übrigens: Viele großen Werke der Wissenschaft entstanden außerhalb der Universitäten. Im Selbstbild der universitären Wissenschaft dominiert das hehre Ideal der Wahrheit. Und nicht selten streift ein verächtlicher Blick den Journalismus.

Seit geraumer Zeit braucht universitäre Wissenschaft Drittmittel und wird abhängig. Mich erschüttert ein spezieller Fall von Verschleierung in einem Wissenschaftsbuch. Worum geht es? Hier um Tirol. Nicht nur im alpinen Raum gab es Ackerland, Almen und Wald im Besitz der gesamten Gemeinde. Ein Buch führt dies im Titel „Ländliche Gemeingüter“ oder „Rural Commons“ (2016) an. Es geht um die kollektive Ressourcennutzung in der europäischen Agrarwirtschaft.

In Tirol gehörten beträchtliche Teile des ländlichen Raumes der Allgemeinheit in Gemeinden. Im Laufe der Zeit und nicht zuletzt unter dem „ewigen“ Landeshauptmann Eduard Wallnhöfer hat die bestimmende Partei des Landes es vermocht, die Güter aller in der Gemeinde, die Allmende, sich „unter den Nagel zu reißen“ zugunsten der eigenen Klientel, der Agrargemeinschaften – zum Schaden aller. Da wurden Hotels und Seilbahnen gebaut- alles im wohlverstandenen privaten Eigeninteresse. Es ist erschütternd, wie verschleiernd dieses Faktum „wissenschaftlich“ formuliert wird- und zwar weit hinten im Buch und dann noch einmal in die Anmerkung 24 auf Seite 256 verbannt. Und alles wird vage angedeutet – ohne Namen zu nennen.

Der Wissenschaftstext lautet wortwörtlich: „Diesbezüglich gerieten führende Landwirtschaftsfunktionäre und Agrarpolitiker stark unter öffentlichen Druck. Eine journalistische Darstellung des Konfliktes um die Tiroler Agrargemeinschaften lieferte Alexandra Keiler, Schwarzbuch Agrargemeinschaften, Innsbruck 2009. Schwarzbuch Tirol, Innsbruck 2012.“

Doch dies spricht der Klappentext im „Schwarzbuch Tirol“, erschienen im Studienverlag, klar aus und nennt dies einen „Agrar-Krimi“ mit unheimlichen Facetten, die sich als „Enteignungen“ entpuppten, wohl unter dem NS-Regime in Osttirol grundgelegt. Seit die Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes 2008 klarstellte, dass die in den 1950er-Jahren in Nordtirol begonnene Übertragung von über 2.000 qkm öffentlichem Gemeindegut auf bäuerliche Agrargemeinschaften verfassungswidrig passierte, befindet sich das Land Tirol in einem Ausnahmezustand. Doch müssen die betroffenen Gemeinden weiterhin um ihr Grundeigentum kämpfen.

Was damit gesagt sein soll: Journalismus übertreibt nicht selten und pflegt eine klare Sprache, und dies ist wichtig, aber diese wissenschaftliche Verschleierung von Sachverhalten ist für ein Wissenschaftsbuch unwürdig. Dennoch: Es gibt verdienstvolle Wissenschafter, welche Sachverhalte klar beim Namen nennen und sich ins strittige Feld der Publizität begeben. Das hat in Frankreich hohe Akzeptanz.

Müll in den Süden. Wirtschaft ohne Moral?

Hans Högl

In den letzten Wochen häufen sich Beiträge über Karl Marx und seine Kapitalismuskritik. In diesen Kontext fügt sich das 2016 erschienene, wissenschaftliche Buch: „Die Sozialge-schichte des Kapitalismus im 19. und 20. Jahrhundert“, ein Sammelband von Friedrich Leger und Philipp Kufferath, Bonn 2016. Wir greifen darin den Beitrag von Simone M. Müller auf, nämlich über den Export von Giftmüll – von Industriestaaten in die Länder des Südens (S. 357-375 ).

Die Entsorgung giftiger Abfallstoffe wurde bis in die 1970er Jahre lokal und national organisiert. Das Wort „Giftmüll“ war ungebräuchlich. Mit der ökologischen Wende in den 1970er Jahren änderte sich dies. 1967 wurde in Schweden ein Umweltamt gegründet, gefolgt 1970 von Großbritannien und den USA und drei Jahre später von 21 Industrieländern. Die US-Umweltbehörde EPA genehmigte 1987/88 den Export von 3,7 Mio. Tonnen Giftmüll in über 13 Länder in Westafrika, Zentral- und Südamerika sowie in den pazifischen Raum. 

Der Chefökonom der Weltbank, Lawrence H. Summers, vormals Harvard-Prof., befürwortete 1991 in einem Memorandum, dass es ökonomisch wäre, den Giftmüll der Industrieländer in die am wenigsten entwickelten Länder („LDC“s, the least developed countries) zu bringen oder im Süden verstärkt schmutzige Industrien anzusiedeln. Nun: L. Summers  verwendet dafür eine eine ökonomische Formulierung. Dessen Argumente -hier stark gekürzt- waren etwa folgende: Durch Abnahme des Mülls könnten Länder des Südens ihre Schulden reduzieren und oft seien diese Länder auch dünn besiedelt (!) und weniger umbelastet als die Großstädte NY oder Mexico City. Das ursprünglich interne „Memo“ gelangte zur Redaktion der Londoner Zeitschrift „Economist“ und erregte riesiges Aufsehen, so beim Umweltkongress in Rio.

Im Kern ging es um die Frage, ob es zu verantworten oder ethisch gleichgültig sei , dass Industriemüll exportiert wird. Ist es legitim, von sozialen Kosten zu sprechen, oder darf Wirtschaft handeln, ohne auf moralische Kategorien zurückzugreifen?

Wachsende Radikalisierung der Sprache

Die Vereinigung für Medienkultur lädt  zu einem Treffen im Cafe Kreuzberg in Wien ein. Dabei geht es unter anderem um Folgen und Gefahren zunehmend eingeschränkter Sprachkultur.

RADIKALISIERUNG DER SPRACHE

Wohin soll das noch führen..?

Udo Bachmair spricht mit Univ. Prof. Dr. Fritz Hausjell

Das Team der Vereinigung für Medienkultur freut sich auch über Ihre Fragen, Anregungen und Impulse.

Ort:            Cafe Kreuzberg, Neustiftgasse 103, A-1070 Wien

Zeit:          Donnerstag , 24. Mai 2018

Eintreffen ab 18:30 / Beginn: 19:00

Eintritt frei / Kleines Buffet

Anmeldung erbeten bis inkl. Montag, 21. Mai an: stifter@medienkultur.at

ORF-Podiumsdiskussion: Voller Erfolg

Udo Bachmair

Die federführend von der Vereinigung für Medienkultur veranstaltete Podiumsdiskussion zur Frage „Brauchen wir den ORF?“ war ein voller Erfolg. Der große Raum des Presseclubs Concordia war ähnlich dem großen Zulauf zur Syrien-Diskussion mit mehr als 100 BesucherInnen mehr als überfüllt. Mehreren weiteren Interessierten konnte entweder kein Einlass mehr gewährt bzw. im Vorfeld Anmeldungen nicht bestätigt werden. Wir bitten dafür um Verständnis und Entschuldigung. Das Thema bleibt uns sicher auch für andere Veranstaltungen erhalten.

Das große Interesse an der Diskussion mit Alexander Wrabetz, Franz Küberl, Hans Jörg Jenewein, Cornelia Breuß und Golli Marboe hat auch die Präsenz mehrerer TV-Teams gezeigt. Berichte in der ZIB 2, im ZDF sowie last but not least auf Okto TV waren die Folge. Wobei das besonders engagierte Team von Okto TV mit einem mehr als 17(!)-minütigen Beitrag und entsprechender Bewerbung auf Facebook zahllosen weiteren InteressentInnen nachträglich die Möglichkeit geboten hat bzw. bietet, die wichtigsten Passagen der Podiumsdiskussion zu verfolgen.

Der OktoScout Spezialbericht zur ORF-Podiumsdiskussion der Vereinigung für Medienkultur wird übrigens heute (am 24.4.) um 17.30 Uhr gesendet. Weitere Termine : 25. April, 15.30 Uhr, 26. April 13.30 Uhr, 27. April 11.30 Uhr. Die Sendung steht zudem auf der Oktothek on demand zur Verfügung.

https://www.okto.tv

Oktothek:

https://okto.tv/de/oktothek/episode/5addacb730e2e

 

 

 

 

Neue FPÖ-Attacken auf ORF-Journalisten

Ein Drittel der ORF-Korrespondenten feuern ?

Udo Bachmair

Einmal mehr bläst die FPÖ zum Angriff auf den ORF. Jüngster Anlass: Angeblich nicht objektive Berichterstattung über den Wahlausgang in Ungarn. Als Konsequenz daraus kündigt FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger an, man werde „von den Auslandskorrespondenten ein Drittel streichen, wenn sie sich nicht korrekt verhalten“. Außerdem wird  ORF-Redakteuren mit „Entlassung“ gedroht, sollten sie sich nicht an die Social-Media-Richtlinien halten. Kritiker sehen in diesen Äußerungen eine demokratiepolitisch bedenkliche Druckausübung auf Journalisten durch eine Regierungspartei.

Der wieder aufgeflammte Konflikt FPÖ / ORF verleiht der von der Vereinigung für Medienkultur veranstalteten  ORF-Podiumsdiskussion neue Aktualität. An der Veranstaltung am kommenden Mittwoch ( 18.4. ) im Presseclub Concordia treffen neben anderen  ORF-Generaldirektor Wrabetz  und FPÖ-Mediensprecher Jenewein aufeinander.  Weitere Details im Folgenden: :

Einladung zur Podiumsdiskussion:

Brauchen wir den ORF?

Der Disput um den Wert des Öffentlich-Rechtlichen

 Zeit: Mittwoch, 18. April 2018, 19 Uhr

 Ort: Presseclub Concordia, Bankgasse 8, 1010 Wien

 Am Podium:

Cornelia Breuß, Journalistin, Presseclub Concordia, RTR-Rundfunkbeirat

Corinna Drumm, Sprecherin des Verbandes Österreichischer Privatsender

Hans-Jörg Jenewein, Mediensprecher der FPÖ

Franz Küberl, Ex-Stiftungsrat des ORF

Golli Marboe, Journalist, Obmann des VsUM*

Alexander Wrabetz, Generaldirektor des ORF

Moderation:

Udo Bachmair, Präsident der Vereinigung für Medienkultur*

Nicht nur in Österreich, auch europaweit sind öffentlich-rechtliche Medien Gegenstand heftiger Debatten. Was macht den Mehrwert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus? In diesem Zusammenhang wird immer wieder auch die Frage der Legitimität von Gebühren thematisiert. Der Disput speziell rund um den ORF wird nicht selten von Emotionen und Attacken auf das Unternehmen dominiert. Dabei ist nicht zuletzt aus demokratie- und medienpolitischen Gründen eine seriöse und sachliche Diskussion nötiger denn je.

Anmeldung erbeten unter: stifter@medienkultur.at

*Eine gemeinsame Veranstaltung des Vereins zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien ( VsUM ) und der Vereinigung für Medienkultur

 

 

 

Pressefreiheit versus Geheimhaltung. Film-Tipp „Die Verlegerin“

Hans Högl

In meiner Dissertation seligen Angedenkens befasste ich mich mit den „Pentagon Papers“, den verratenen Geheimdokumenten zum Vietnamkrieg, im Auftrag gegeben von Verteidigungsminister McNamara unter John F. Kennedy. „New York Times“  begann am 15. Juni 1971 diese höchst brisanten Geheim-Dokumente zu publizieren, erhielt dann ein Verbot wegen Geheimhaltung. Im Film „Die Verlegerin“ geht es primär um die Herausgeberin der „Washington Post“, die vor der Frage und dem großen Risiko steht, ebenfalls Abschnitte dieser umfangreichen, preisgegebenen Geheim- Dokumente zu publizieren. Das steht in diesem spannenden Film im Mittelpunkt. Nur gestreift werden all die lügenhaften Erklärungen der US-Regierung zum Vietnamkrieg, auch die Person Daniel Ellsberg, der eine Haftstrafe über 100 Jahre riskierte, wird nur gestreift. Immerhin: Der Film ist hervorragend und zeigt die Verwicklungen um diese Publikation und die Akteure und das Geschehen im Pressezentrum. Im Übrigen: Ende Juni 1971 entschied das amerikanische Höchstgericht zugunsten der Publikation und dafür, dass die Regierten das Recht haben, zutreffend informiert zu werden.