ORF und Liste Pilz: Unverständnis für Maria Stern

Hans Högl

Der folgende Beitrag stellt nicht die wichtige Funktion des ORF für unser Land in Frage, und meiner Ansicht nach soll das Publikum selbst weiter die Gebühren entrichten und der ORF nicht von einer Direktfinanzierung durch die Regierung abhängig werden. Und im Großen und Ganzen erfüllt der ORF seine Rolle positiv. Zum andern ist es nötig, partiell an Einzeljournalisten des ORF Kritik zu üben. Leider wurde bisher maßvolle Kritik vom ORF selbst selten beachtet (siehe Publikumsrat) und Anregungen werden nicht aufgegriffen, z.B. dass ORF-Fernsehen nicht nur Kochkurse, sondern auch Sprachkurse für die zahlreichen Migranten/innen anbietet und so zum Erlernen der deutschen Sprache beträgt.

Zur Detailkritik: Das Interview im Ö 1- Morgenjournal (heute 8.Juni) mit Frau Maria Stern aus der Liste Peter Pilz hat mir sehr missfallen. Während der biografische Vorspann über Frau Stern sehr informativ war, strengte sich der Interviewer überaus an, das verantwortungsvolle Handeln von Frau Stern – ihren Verzicht im Sinne der Liste Pilz – negativ zu punzieren.

Das ist leider charakteristisch für Journalismus im Allgemeinen. Dieser kommt mit verantwortungsvollem Handeln nicht zurecht, da er auf Negatives fixiert ist und Konstruktives nicht anerkennt. Ziel des Interviews war unausgesprochen ein Untergangsszenario der Liste Peter Pilz. Selbstverständlich wurde das nicht direkt formuliert, sondern verpackt in Aussagen anderer Gewährsleute.

Mit Untergangs-Prognosen wird indirekt Politik gemacht. Aufgabe des Journalismus und vor allem eines öffentlich-rechtlichen Senders ist primär keine politische Propaganda, sondern eine sachliche Darstellung, ob nun ein Faktum gefällt oder nicht. Dies war und ist Prinzip der „New York Times“.

Frau Stern verdient Respekt! Und dass sie sich für ein allgemeines Interesse einsetzt, nämlich dass die Liste Peter Pilz endlich zum Handeln kommt, ist kein Widerspruch zum Feminismus. Sollen denn  Frauen sich nur für Frauen einsetzen und nicht auch für das Wohl aller? Nun kann die Liste Pilz endlich – nach den personellen Spannungen – für die Wähler eine wichtige Kontrollfunktion übernehmen. Davon war im Interview kein Wort zu hören. Ähnliches traf gestern für die ZIB 2 zu.

 

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