BP-Wahl: Rezepte gegen Kampf-Rhetorik

Udo Bachmair

Nun ist es also wieder soweit. Erneut stehen wir vor einer weiteren Runde der Bundespräsidentenwahl. Und jetzt, knapp ein Monat vor dem Wahltermin am 4. Dezember, tritt auch der Wahlkampf in eine neue alte Phase. Gespickt mit Vorwürfen, Halbwahrheiten, Polemiken. Und wieder einmal ist es vornehmlich die FPÖ, die mit ihrem demagogisch besonders gut geschulten Kandidaten um nahezu jeden Preis zu provozieren versucht.

Norbert Gerwald Hofer ist als früherer Kommunikationstrainer mit Kampf-Rhetorik auf Basis unterschiedlichster Manipulationstechniken bestens vertraut. Je mehr jedoch die Kommunikationsmuster, die die FPÖ seit Jörg Haider erfolgreich anwendet, durchschaut werden, desto deutlicher kommt das auf Hofer gemünzte Bild vom Wolf im Schafspelz zum Vorschein..

Nun sehen wir mehr oder weniger spannungsgeladen den weiteren TV-Duellen Hofer / Van der Bellen entgegen. Sogenannter Höhepunkt des Wahlkampfs wird die ORF-Konfrontation am 1. Dezember sein. Und wieder besteht auch dabei die Gefahr einer verbalen Schlammschlacht, ausgelöst durch Kampf-Rhetorik-Tricks.

Der Kommunikationswissenschaftler Walter Ötsch hat auf die Frage eines Falter-Lesers , wie denn bei solchen Diskussionen Angriffe und Untergriffe pariert werden könnten, u.a. so geantwortet:

Hofer hat Stakkatos von vier, fünf Vorwürfen in wenigen Sekunden parat. Man kann dann jemand anderen, der ansonsten recht besonnen agiert (wie van der Bellen), teilweise auf ein Niveau herunterzerren, das man meisterlich – oft jahrelang – erlernt hat.

Wenn es Ihnen also gelingt, innerlich ruhig zu bleiben, kann man nur eines tun: das eben erfolgte Muster benennen. D.h. ich brauche eine Kenntnis dieser Muster, muss reagieren können und eine geeignete (sachliche) Sprache dazu parat haben.

D.h. einen (sachlichen) Metakommentar über die Art geben, wie eben kommuniziert wird. Z.B. „Sie weichen meiner Frage aus und wechseln sofort das Thema.“ Oder „Mir fällt auf, das immer, wenn ich etwas frage, was Ihnen offenbar unangenehm ist, Sie in die Opferrolle wechseln“, usw. Van der Bellen hat einiges von dem recht gut gemacht. (Gerade die Opferrolle ist eine Spezialität von Hofer bzw. noch besser: der blitzschnelle Wechsel von Angriff/Täter in die Opferrolle. Das hat er gut geübt.)

Freilich etabliert man mit Metakommentaren (die dann hin und her gehen, denn die demagoagisch geschulte Person weiss ja, was vor sich geht und kontert wieder so) eine eigenartige Art von Kommunikation. Sie widerspricht dem, wie wir sonst z.B. in der Arbeit reden (müssen). Hier geben wir Antwort, versuchen den anderen zu verstehen usw. (Philosophisch gilt, dass ohne Verständnis und ohne Verstehenwollen menschliche Kommunikation gar nicht möglich ist – und „verstehen“ ist und kann immer nur partiell möglich sein). (Hofer ist ungemein gut den Sinn des Gesagten in einer Replik in ein völliges Gegenteil zu verdrehen, das macht er gekonnt und absichtlich.) Aber: wenn ich ein Gegenüber habe, das darauf aus ist, einen Austausch über Sachinhalte zu zerstören, dann kann ich alleine einen konstruktiven Dialog (an dem z.B. ZuseherInnen interessiert sind) nicht führen.

Die Kunst ist eine schnelle ruhige Replik auf der Musterebene und dann zurück zu dem, was man sagen will. Einfach gesagt und oft schwer getan.

Nach dieser Grundidee könnte man dann zu einzelnen Muster Spezifisches sagen.

Was ich mir für Österreich wünsche, nicht nur für diese Wahl: eine höhere Bewusstheit der Muster im öffentlichen politischen Diskurs und den Versuch neue Standards zu etablieren, die einer Revitalisierung von Demokratie (genau das brauchen wir) dienlich ist. Hofer sagt, er trete für mehr Demokratie ein. Diese Intention ist gut und ehrenwert, man kann sie begrüßen. Aber : Die Art, wie Norbert Hofer (bewusst und kunstvoll) mit seinen „Gegnern“ kommuniziert, widerspricht der vom ihm genannten Intention.

(Und: Das sind die Praktiken der FPÖ seit der Übernahme durch Jörg Haider, – ich beobachte das seit Anfang der neunziger Jahre, in „Haider Light“ habe ich Literatur aus den neunziger Jahren verarbeitet. Leider ist die Art der Kommunikation, die ich „demagogisch“ nenne, in Österreich weit verbreitet, – auch weil die FPÖ schon in der Regierung war. Sie beschränkt sich keinesweg auf die FPÖ. (Ein heftiger Fall war auch Frank Stronach.) Und viel schlimmer: Jetzt wird das – als Spätfolge der Krise ab 2008 – in ganz Europadurch die Rechtspopulisten modern. Wir sollten uns der Schädlichkeit eines demagogischen Umgang bewusst werden und dem aktiv bei sich selbst und bei anderen entegenwirken.)

 

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