Archiv der Kategorie: Medien und Bildung / Religion

Medientipps: Ängste/ Karajan/ Frankreich: Misere/Baumtherapie

Hans H ö g l :  3-sat im April -Medientipps

Der Angst ins Auge blicken. 3-sat Themenwoche 3.-7. April. Sind wir noch zu retten? Reportage Die 4. April 18:30 / German Angst Do 6. April 20:15/ scobel- Die hysterische Gesellschaft. Do 6. April 21:00 / Abstiegsängste der Mittelschicht Fr 7. April 21:00

Karajan in Salzburg. Doku. 8. April 20:15/ dann: Karajan dirigiert Beethoven

Köstlicher Film von schwedischem  Dorfleben. „Wie im Himmel“. Die 18.April 20:15 (Der ORF brachte den Film dummerweise um Mitternacht!)

Frankreich Misere: Makro neu. Fr 21. April 21:00

Mein Freund, der Baum: Therapie unter Tannen 20:15 / Scobel- Hilf uns Wald: 21:00 – beide Do 27. April

 

 

Schulqualität und Medienkonsum

Colin  C r o u c h

Rundfunk, den man früher eher dem gemeinnützigen Bereich oder dem Erziehungssystem zugeordnet hätte, ist heute Teil des kommerziellen Sektors. Das bedeutet, dass Nachrichtensendungen nach dem Vorbild kommerzieller Produkte gestaltet werden. Es geht darum, rasch die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln, um konkurrierenden Unternehmen die Kundschaft abzujagen. Damit verlagert sich die Priorität in Richtung einer extrem vereinfachenden, sensationsheischenden Berichterstattung, wodurch das Niveau der politischen Diskussion und die Kompetenz der Bürger weiter sinken. Und Politiker müssen sich an den Modus für Nachrichten, die für das Massenpublikum produziert werden, anpassen.

Und Lehrer müssen um die Aufmerksamkeit von Schülern kämpfen, die in ihrer Freizeit viele Stunden vor dem Fernseher  (und Mobilphone) sitzen. Dieses Problem kommt in den aufgeregten Debatten über die Qualität des Bildungssystems „so gut wie nie zur Sprache Hängt dies vielleicht zusammen, dass diese Diskussionen von den Eigentümern der Massenmedien vermittelt und gesteuert werden?“

Dass Medien wie Schulen funktionieren, war das ursprüngliche Leitbild der British Broadcasting Corporation (BBC). Der Auftrag dieses Senders und anderer öffentlich-rechtlicher war es, „zu informieren, zu bilden und zu unterhalten“. Spuren dieses Modells findet man noch in der BBC. Doch heute werden die Programm-Verantwortlichen dieser Sender genötigt, ihre Einschaltquoten mit denen ihrer Rivalen vom Privatfernsehen zu vergleichen, daher müssen auch sei um jeden Preis Quote machen. Das kommerzielle Modell triumphiert über andere Formen politischer Kommunikation. Sie wird zu einem kurzlebigem Konsumgut. Der Konsument hat über den Staatsbürger gesiegt.

Dies ist ein Resumé aus Colin Crouch: Postdemokratie (2013) (H. Högl)

 

 

 

Medienförderung und Rundfunkreform

Hans H ö g l

Die „Initiative für Zivilgesellschaft“ nahm einstimmig folgende Propositionen im Sinne des Medienwandels an (vgl. 10.1.2017):

 Medien-Konzentration und einseitige Besitzverhältnisse in Printmedien verhindern Medien-Vielfalt[1]. Durch Medienförderung kann und soll Medienvielfalt erhalten bleiben. Ein unabhängiger Weisenrat mit Auslands-Expert_innen sollte über die Verteilung der österreichischen  Medienförderung – auch für alternative Medien und Blogs entscheiden. Kriterien dafür sind objektive Berichterstattung, konstruktiver[2] und investigativer Journalismus.  

  • Die Rundfunkgesetze gilt es zu novellieren: ORF, ZDF, ARD und SRF sind zu verpflichten, breiter über den dritten Sektor, die Zivilgesellschaft mit den NGOs, zu berichten. Aber öffentlich – rechtlicher Rundfunk hat in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine breite Akzeptanz und sollte öffentlich-rechtlich bleiben. Bedenklich ist, dass der Bildungsauftrag im TV-Kanal ORF 1 kaum erfüllt wird, und ORF 1 sich fast nicht von Privat-TV-Sendern unterscheidet.

[1] Das EU-Schuman-Institut in Florenz finanziert Forschungen, um die Medien-Vielfalt in der EU zu wahren.

[2] Vgl. Högl zum Konstruktiven Journalismus in   www.n21.press

Ein Plädoyer für die Ö1-Journale

Udo Bachmair

Nunmehr bereits 5 Jahre sind vergangen, seit ich mich vom ORF verabschiedet habe. Den größten Teil meiner langjährigen Tätigkeit in diesem Unternehmen habe ich als Moderator und Regisseur der Ö1-Journale verbracht. Und ich blicke gern zurück.

Vom Attentat auf den Papst, der Revolution im Iran, der großen politischen Wende 1989, über innenpolitisch dominante Entwicklungen sowie Katastrophen unterschiedlichster Art, bis hin zum Bombenhagel auf Serbien, auf Libyen und den Irak und zu zahllosen weiteren Ereignissen war ich als ORF-Redakteur und Moderator journalistisch nahe am Geschehen. Spannungsreiche interessante Zeiten, die ich nicht missen möchte.

Als der längstgediente Moderator in ORF-Informationsbereichen mit an die 10.000 (!) live moderierten ORF-Sendungen, vorwiegend in Ö 1, fühle ich mich meinem alten Unternehmen nach wie vor verbunden. Dies verschleiert jedoch nicht meinen nunmehr seit 5 Jahren verstärkten medienkritischen Blick von außen.

Zweifellos gehören sie gehört: Die Ö 1- Journale. Deren Qualität erscheint im Lauf der Jahre weitgehend unverändert. Trotz der von Jahr zu Jahr bedrohlicher werdenden personellen und budgetären Ausdünnung. Ein bisschen Kritik sei dennoch erlaubt: Die außenpolitische Berichterstattung entspricht nahezu ausnahmslos dem westlichen Mainstream. Bei so komplexen Konflikten wie dem Ukraine- oder dem Syrien-Konflikt etwa dominiert die US-Sicht der Welt. Antirussische Reflexe lassen nicht selten Schwarz-Weiß-Malerei erkennen. Der Westen gut, Russland und Putin böse. Da fehlen manchmal schmerzlich differenzierende Reflexionen.

Trotzdem ein Plädoyer für Ö 1 und im Speziellen die Ö-1-Journale, die trotz der eben erwähnten Defizite nach wie vor zum journalistisch Besten in unserem Land gehören. Ohne Morgenjournal, Mittagsjournal, Abendjournal wäre Österreichs Medienlandschaft noch ärmer.

Ein Tipp: Unter www.journale.at sind mehr als 8000 Stunden Sendezeit digital in voller Länge abrufbar, der Schwerpunkt liegt hier bei den Mittagsjournalen. Das entspricht über 100.000 Einzelbeiträgen sowohl zu österreichischen als auch internationalen Themen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur der Jahre 1967 bis 2000.

Nähere Informationen auch bei der „Österreichischen Mediathek“ unter mediathek@mediathek.at oder www.mediathek.at

Medien-Wandel und „Wir sind Medien!“

H a n s   H ö g l

 Massenmedien enthüllen nicht die Realität, sie maskieren sie. Sie tragen nicht zum Wandel bei, sie verhindern ihn. Sie verstärken Passivität und ermutigen nicht zu demokratischer Partizipation, sie führen zu Resignation und Selbstbezogenheit. Sie schaffen nicht Kreativität; sie machen Konsumenten (Eduardo Galeano).

Diese überaus pointierten Sätze charakterisieren die Ist-Situation der dominanten (US) Medienwelt und bewerten diese. Aufgabe von NGOs ist es, den medialen Hauptstrom realistisch zu sehen, zu beurteilen und Handlungsoptionen zu erkunden.

Angesichts dieser Negativ-Punzierung der Massenmedien bliebe kein Raum für Partizipation und keiner für andere Formen der Kommunikation. Dem ist aber nicht so. Selbst innerhalb der Medienwelt wird Selbstkritik in der Forderung nach „Konstruktivem Journalismus“ laut. Und es gibt Formen von alternativem Journalismus und Chancen der Partizipation.

Kopftuchverbot trotz Religionsfreiheit ?

Neue Kopftuchdebatte: Sebastian Kurz einst und jetzt

Udo Bachmair

Das Archiv – Freund des kritischen Journalisten, hingegen Feind jenes Politikers, der sein Fähnchen nach dem Wind richtet – hat einmal mehr zugeschlagen. Das kann für einen betroffenen Politiker dann besonders unangenehm werden, wenn sich frühere Äußerungen von aktuellen Positionen grundsätzlich und von der Gesinnung her deutlich unterscheiden.

Jüngstes Beispiel dafür die sogenannte Kopftuchdebatte, die „Integrations“minister Sebastian Kurz ohne Not vom Zaun gebrochen hat. Ihm wird nun vorgeworfen, dass er mit seinem populistischen Vorstoß, das Kopftuch im Öffentlichen Dienst zu verbieten, Integrationsbemühungen behindere. Diese können aber nur in einem guten Klima im Zusammenleben mit den Muslimen erfolgreich sein.

Um den Meinungswandel des Ministers, der im Hintergrund angeblich schon an einer schwarz-blauen Koalition „bastelt“, zu dokumentieren, sei Ihnen folgender Ausschnitt aus einem HEUTE-Interview mit Sebastian Kurz aus dem Jahr 2011 ans Herz gelegt :

>> Haben Sie türkische oder serbische Freunde ?

„Ja, ich bin aus Meidling. Mein Freundeskreis war immer bunt durchmischt. Ich habe auch Freundinnen mit Kopftuch. Die Hälfte der Schüler in meiner Klasse hatte Migrationshintergrund – und da habe ich gesehen, wie Integration funktioniert: Wenn alle deutsch sprechen.“

>> Sie haben kein Problem mit dem Kopftuch ?

„Nein, wenn es freiwillig getragen wird. Wir haben in Österreich Religionsfreiheit – und das ist gut so“.

>> Wird das Kopftuch eines Ihrer Themen sein ?

„Man darf Migration nicht auf den Islam beschränken und Integration nicht auf plumpe Botschaften wie ‚Kopftuch-Ja oder Nein‘. Wer das macht, meint es nicht ernst mit dem Thema.“

Zusammenleben in „Freiheit und Verantwortung“

Beeindruckende ORF-Neujahrsrede von Bischof Bünker *

Udo Bachmair

Der evangelische Bischof Michael Bünker überzeugt immer wieder auch mit klaren Worten zu gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Themen. So auch jüngst in seiner im Programm ORF 2 übertragenen Neujahrsansprache.

„Auf zwei Dinge kommt es beim Zusammenleben von Menschen aus evangelischer Sicht besonders an: Freiheit und Verantwortung“, sagte Bünker auch mit Verweis auf das Leitmotiv der Reformation, deren 500-Jahr-Jubiläum die Evangelischen Kirchen 2017 feiern.

„Heute bin ich beeindruckt, wie auf engem Raum im städtischen Bereich Menschen unterschiedlicher Nationalität und Kultur, unterschiedlicher Religion und Sprache als Nachbarn zusammenleben. Dieses Zusammenleben ist eine besondere Herausforderung und ein besonderer Reichtum Europas, ein Geschenk, auf das wir zu achten haben.“

Für Christinnen und Christen sei es Aufgabe, die Freiheiten, wie sie in den Menschenrechten festgehalten sind, zu bewahren sowie diese zu schützen, wo sie bedroht und zu bewahren, wo sie eingeschränkt sind. Daraus folgert für Michael Bünker:

„Verantwortung für Menschen in Not, die unsere Hilfe brauchen, unsere Nachbarn und unsere Nächsten, aber auch Menschen auf der Flucht“, so Bünker. Aber auch gegenüber der Schöpfung sei der Mensch verantwortlich, betonte der Bischof angesichts der sichtbaren Folgen des Klimawandels.  Zusammenleben in „Freiheit und Verantwortung“ weiterlesen

Wertvolle Werbung?

Dr. Werner Slupetzky

Leserbrief an die Wochenzeitung DIE FURCHE

So schön die Licht- und Hoffnungsgebende Weihnachtsausgabe der FURCHE 51/52 f ist, eine Seite, die Seite 7 hat mich getroffen, ja erschreckt. Sie ist mir die Feiertage nicht aus dem Kopf und Sinn gegangen. Immer wieder habe ich diese „dunkle“ Seite aufgeschlagen. Schwarz wie eine Todesanzeige, eine verwirrende Spirale aus dem 100e mal hin gestempelten Wort, das im Zentrum des Tornados steht: „Vermehrt Schönes!“. Du ich, wie? Schönes kann man durch noch so viele „geklonte“ Worte nicht vermehren, sondern durch ansprechend gestaltete und klare, ehrliche Botschaften. Ich möchte dem Auftraggeber nichts „Böses“ unterstellen, aber es klingt eher nach, „vermehrt euer Geld, dann wird es schön und euer Leben hat mehr WERT“.

Es scheint heute in der Werbewirtschaft ein Missbrauch der Worte Einzug gehalten zu haben. Der Sinngehalt wertvoller Begriffe wird wie gewohnt gebraucht, dabei aber schleichend und unbemerkt eine verfälschte Botschaft transportiert. (z.B. „Die gute Nachricht“….Werbung für Hautcreme). Es ist an der Zeit, ein „WörterWeltKulturerbe“ einzuführen und eine „Wei(ss)e Liste der ethisch geschützten Worte und Begriffe zu definieren, ein ABC der „Werte Worte“.

         

                                                                                                                                                                                                                                                            

 

Good News: Ermutigendes 2016

Die Neue Zürcher Zeitung ist wissenschaftlich zitierbar. Sie  verfasste im Sinne von konstruktivem Journalismus einen längeren Beitrag mit der Notiz, dass 2016 nicht alles schlecht war und dass sich das Gute  nicht immer  auf den ersten Blick zeigt. Zum Jahresende zeigt sie an sieben Ereignissen auf, was gut war. Wir  kürzten den langen Text vom  20. Dez. 2016 Online 05:30.
1. «Das grösste Naturschutzgebiet der Welt» mal zwei.

Barack Obama zog per präsidialem Dekret   die Grenzen eines geschützten Seegebiets bei Hawaii neu. Am 26. August entstand das grösste Naturschutzgebiet der Welt. Diese  Region (….) umfasst 1,5 Millionen Quadratkilometer. Die Schweiz würde 36 Mal auf dieser Fläche Platz finden. Fischen und das Ausbeuten von Rohstoffen sind um die nordwestlichen Hawaii-Inseln seither verboten. Die Natur profitiert davon.

Ende Oktober 2016 konnten Umweltschützer erneut jubeln: Am 27. Oktober einigten sich 24 Nationen und Vertreter der Europäischen Union auf ein noch grösseres Naturschutzgebiet als um Hawai.

 

Nach 6-jährigem Tauziehen stehen im antarktischen Rossmeer – nach Ende der kommenden Fangzeit im Dezember 2017 – 1,55 Millionen Quadratkilometer unter Schutz. Es wird das grösste Naturschutzgebiet der Erde und das erste in internationalen Gewässern sein. Der Weg zum Schutzgebiet war nicht leicht: Die Antarktis ist ein international verwaltetes Gebiet. Besonders China und Russland sahen ihre Interessen beeinträchtigt. Beide Länder unterhalten grosse Fischfangflotten in der Region. Ihre neuen Fanggründe liegen ab dem kommenden Jahr ferner der Küste. Eine Einigung mit Abstrichen? China und Russland willigten nach zähen Verhandlungen ein, weil sich die Staatengemeinschaft auf ein Verfallsdatum der Zone einigte: Nach 35 Jahren steht das geschützte Gebiet wieder zur Debatte. Ein Erfolg mit Wermutstropfen?

2. Ein Nationalfeiertag zum Dank – große Erfolge für kleine Staaten bei Olympia: Die Goldmedaillen olympischer Athleten beruhen meist auf einer teuren Sportförderung, die sich viele kleine Staaten nicht leisten können. Doch bei der Olympiade in Rio de Janeiro siegte nicht nur die Sportelite.  Fidschis Rugby-Team feiert den Turniersieg.  Für Fidschis Einwohner ist dies ein Segen, ist doch ihr Nationalsport die einzige Disziplin, bei der das Inselvolk anderen Staaten die Stirn bieten kann. Premierminister Frank Bainimarama nahm das olympische Gold zum Anlass, seinem Land einen neuen Nationalfeiertag zu schenken: Am 22. August soll auf Fidschi nicht mehr gearbeitet werden.

Außenseiter triumphierten:  Auch vier weibliche und vier männliche Einzelsportler holten in Rio erstmals eine Goldmedaille für ihr Land: Monica Puig aus Puerto Rico warf beim Tennis drei Grand-Slam-Siegerinnen aus dem Turnier.  Ebenso beeindruckend war die Leistung des Schwimmers Joseph Schooling. Der Sportler aus Singapur stellte über 100 Meter Delphin nicht nur einen olympischen Rekord auf – er verbannte auch Schwimm-Star Michael Phelps auf den zweiten Platz.

3. EU-Länder: Etwas weniger Arbeitslose

Im Oktober fiel die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum auf ein Fünf-Jahre-Tief. Auch bei jugendlichen Arbeitslosen sieht es zum Ende dieses Jahres besser aus. In zwanzig EU-Ländern sank die Quote der Unter-25-Jährigen ohne Job.

Spitzenreiter ist die Slowakei. Dort sank die Jugendarbeitslosenquote um 5,8 Prozentpunkte von 24,8 auf 18,8 Prozent seit Jahresanfang. Das krisengebeutelte Griechenland konnte den zweitstärksten Rückgang verbuchen: Nach 51 Prozent im Januar waren es noch 46,5 Prozent im September. Generell fanden wieder mehr junge Menschen im Jahr 2016 Arbeit – vor allem in den Ländern, die die Wirtschaftskrise stärker getroffen hatte.

4. «Die aufregendste Entdeckung seit der Chemotherapie»

Was, wenn die eigenen Gene im Vorhinein verraten, ob eine giftige Chemotherapie anschlagen wird? Es ist dieser Gedanke, der eine neue Behandlungsmethode so vielversprechend macht. Statt wie bisher ein Trial-and-Error-Verfahren anzuwenden,  entwickeln Ärzte anhand der DNS eines Patienten eine individualisierte Behandlung. An einer Konferenz in Chicago stellten Mediziner dazu erstmals eine ausführliche Auswertung von 13 000 Patientenakten vor. Mit positivem Ausblick:

Gezielte Therapien brachten eine sechs Mal höhere Tumor-Schrumpfungsrate.  Binnen fünf Jahren könnte diese Methode gängige Praxis werden. Eine britische Expertin bezeichnete sie als «die aufregendste Entdeckung seit der Chemotherapie».

5. Baumpflanzrekord in Indien Einige der 800 000 freiwilligen Baumpflanzer aus Allahabad, Indien. (Bild: Rajesh Kumar Singh / Keystone )

Einige der 800 000 freiwilligen Baumpflanzer aus Allahabad, Indien. Am 11. Juli pflanzten 800 000 Freiwillige in Indien binnen 24 Stunden 49,3 Millionen Bäume.

6. Pariser Klimavertrag tritt in Kraft

Die Pflanzaktion stellte bereits die Weichen für die indische Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens. Im Dezember 2015 hatte Indien in Paris zugestimmt, zwölf Prozent seines Landes wieder aufzuforsten. Anfang Oktober ratifizierte das Parlament in Neu-Delhi das Abkommen offiziell. Nur wenige Tage nach Indien stimmte auch das EU-Parlament dem Vertrag zu. So gab es auch auf globaler Ebene 2016 zum Klimaabkommen Positives zu berichten: Voraussetzung für das Inkrafttreten des Vertrags war die Zustimmung von 55 Staten, die zusammen mindestens 55 Prozent der globalen Emissionen verantworten. Für internationale Verträge bedeutet das ein Rekordtempo.

7. McDonald’s wird gesünder

 Eine Internet-Petition bewegte die Fast-Food-Kette McDonald’s dazu, antibiotikafreies Pouletfleisch aufzutischen – zumindest in den USA, wo Mastbetriebe Tiere immer noch im grossen Stil mit für den Menschen gemachten Antibiotika behandeln.
Hoffnung für Hühnchen? McDonald's serviert sein Pouletfleisch in den USA in Zukunft antibiotikafrei. (Bild: NZZ / Christoph Ruckstuhl)
Hoffnung für Hühnchen? McDonald’s serviert sein Pouletfleisch in den USA in Zukunft antibiotikafrei.

Das Unerwartete daran ist der Absender der Petition. Nicht etwa Peta, Greenpeace oder WWF steckten dahinter, sondern 54 institutionelle Investoren, Anlagefonds und Pensionskassen. Sie sorgen sich um das Geld, das sie in die Fast-Food-Kette investiert haben. Ein Eklat bei McDonald’s würde den Wert des Unternehmens drücken. Eine Pandemie, ausgelöst durch Antibiotikaresistenz bei Menschen, wäre nicht nur schlecht für die Erkrankten, sondern eben auch für den Wert ihrer Unternehmensbeteiligungen. Und die Petitionsmacher, die zusammen auf einer Billion Dollar Anlagevermögen sitzen, verlangen weit mehr von McDonald’s: Weltweit soll die Fast-Food-Kette Nuggets und Burger mit antibiotikafreiem Fleisch servieren.

8. Umeltfreundliches Investieren 

Die Anekdote zeigt einen Trend: Nachhaltige Anlagen erzielten in jüngster Vergangenheit Renditen, die man sonst nur aus der Technologiebranche kennt. Auch das Abstossen von Beteiligungen an Unternehmen, die fossile Brennstoffe abbauen, weiterverarbeiten oder verbrennen, erhielt 2016 vermehrt Zuspruch. Das für das das sogenannte «Fossil Fuel Divestment» bereitstehende Kapital habe sich laut einer Studie von Mitte Dezember in den vergangenen 15 Monaten verdoppelt:

Über fünf Billionen US-Dollar stehen für Fossil Fuel Divestment bereit

Während nachhaltige Anlagevehikel die Vegetarier der Branche sind, können auch die Veganer Positives berichten: Sogenannte Green Bonds investieren nur in Projekte, die sich positiv auf das Klima auswirken. «Das Segment entwickelt sich mit rasender Geschwindigkeit und wird für Anleger immer interessanter», schrieb NZZ  Wirtschaftsredaktor Michael Schäfer im Oktober.

DATUM- die Monatszeitschrift lesen

Hans H ö g l

Die Wiener Monatszeitschrift DATUM verdient mehr Aufmerksamkeit. Schon vor Jahren lud die Vereinigung für Medienkultur  ihren damaligen Chefredakteur zu einem Vortrag ein.   Die graphische Gestaltung von DATUM ist sehr gefällig –  mit gelungenen Fotos und Zeichnungen – und darin und im Stil und inhaltlich nicht reißerisch.  Es finden sich Pro  und Kontra-Argumente zu den Themen. Umfang: 90 Seiten.

Ein paar Hinweise aus DATUM Nr. 12/20:  Die Redaktion lud zehn sehr unterschiedliche Menschen an einen Stammtisch und  ließ sie über das kommende Jahr diskutieren und über Österreichs Haltungen – z.B. zur Innovationsbereitschaft. Dies aus sehr unterschiedlichen Positionen,  und das Gespräch ist höchst interessant.  Hier fand ich einen beeindruckenden Satz zum Engagement: Die täglichen winzigen Schritte fügen sich ein in ein Mosaik, das große Dinge ins Rutschen bringen kann.

Andere Themen im Heft sind: Ein Fotoessay zu Kuba. Die letzte Generation von Fidel Castro/ eine Reportage: Wie junge Ukrainer an der Front aufwachsen/ eine Bücherstory: Existiert noch ein literarischer Kanon, was es zu lesen gilt? Und anderes.

DATUM lockt mit einem Jahresabo plus PKW-Jahresvignette um insgesamt  129.- € (Ein Einzelheft kostet  7.50 €). Das ist also sehr preiswert. Zu bestellen: abo@datum.at  oder 0664/58 64 828. Dies ist keine bezahlte Anzeige, sondern einfachhin ein Medientipp. Das Beste ist in solchen Fällen, sich selbst ein Probeexemplar zu besorgen oder zusenden zu lassen.