Archiv der Kategorie: Medien und Politik / Wirtschaft

Anschein der Macht im Wahlkampf

Hans H ö g l

Im Buch des emeritierten  Univ. Professors, Rektors und Politikers Manfried Welan: „Ein Diener der Zweiten Republik“ finden sich zeitlose Aussagen, die nicht nur für Phasen des Wahlkampfes gelten. Ein Text auf S. 123 (Wien 2012) lautet:

Auf den höheren Ebenen ist Macht  oft nur ein Schein von Macht und lässt sich nicht lokalisieren. Die Politik des Als–ob ist oft die einzige noch mögliche. Das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern ist aktueller denn je, jedoch es fehlen zumeist die Kinder, die sagen, dass er gar nichts anhat.  Aber es kommt ja allzu oft auf den Schein an, durch den sich die Massen blenden und in der Folge auch bewegen lassen. Dann wandelt sich der Anschein von Macht zu tatsächlicher .“ 

Welan war ein halbes Jahrhundert im Dienst der 2. Republik tätig. Seine Erfahrungen mit Bürokratie, Wissenschaft und Politik werden spannend und unterhaltsam dargestellt. Dazu ein Textbeispiel zum Kapitel: Was ist Politik? „Der teilnehmende Beobachter wurde beobachtender Teilnehmer. Ich empfand mich gleichsam wie ein Dschungelbiologe im Urwald“( S. 122). Das Buch des Politikers ist kein Schnellschuss, sondern der Autor, ein liberaler ÖVP-Mann, arbeitete vier Jahre daran.

EU -Freihandel: keine privaten Schiedsgerichte

Hans Högl: Kurztext: Keine privaten Schiedsgerichte bei Freihandelsstreit: Laut EU-Kommission soll es in Zukunft keine privaten Schiedsgerichte von Anwaltskanzleien geben. Die EU Kommission forderte die Teilnehmerstaaten zu Verhandlungen auf zur Gründung eines multilateralen Gerichtshofes (Die Presse 2017-09-13).

 

Schutz für die Fischer Perus

Hans Högl

Die peruanische Sardelle ist klein, rund 15 cm lang und findet sich an der Küste von Peru und Chile. Für Peru hat sie eine große Bedeutung; denn sie ist eine bedeutende Einnahmequelle. Nämlich Peru ist weltweit der Hauptexportateur von Fischmehl. Das Fischmehl dient der Viehzucht und dem Ackerbau. Die peruanische Regierung hat die Fischfangflotte stark reduziert zugunsten der kleinen Fischer und damit die Arbeitslosigkeit vermindert. Dies schreibt die Zeitschrift Ecos. Einfach besser Spanisch (Juni 2017).

 

 

ARTE -TIPP: Datenwelt, anonyme Chats

Hans Högl:   ARTE bietet im Sept. Bemerkenswertes.

12.9  Themenabend. Welt 3.0. Macht der Algorithmen. 20:15  Wert u. Flut der d. Daten.   Die Weltherrschaft 21:55
22.9. Das weiße Kaninchen. Abgründe des anonymen Chats. Drama. 20:15

Armes Europa. Fast jeder 4. EU-Bürger von Armut bedroht. Doku 23:00 2 Doku-Reihe über die Schweiz: Die Grand Tour de Suisse. 18:35
23.9:   21:05 Hexenjagd in Salem. Warum nahmen die Puritaner Andersdenkende ins Visier und ließen sie hinrichten. Doku-Drama.

5.9. Saudiarabien. Gottesstaat in der Krise. Gesellschafts-Doku 21:55
9.9. Boku Haram. Nigeria im Dauerterror. IS  10:55 Offene Karten 10 Minuten
17.9: Schwerpunkt Vietnam-Krieg ab 21:00

14.9. Kebab Extra scharf. Multikulti-Komödie aus Wien. 20:15 Erst-Ausstrahl. Billie Holiday. Jazzsängerin. 01:50
21.9. Ephraim und das Lamm. Äthiop. Spielfilm.Erstausstrahlung 23:05

22:00 Die  heilsame Kraft der Meditation
24.9. A modern Man. Vom steten Streben nach Vollkommenheit. 22.45

Christian Kern – Buch über Österreichs Kanzler. Informativer als ORF-Sommergespräch?

Hans Högl. Eine Rezension

Schicksal von Büchern ist es, davon gehört zu haben….Gestern fand ich in der Bücherei der Stadt Wien den Bestseller „Christian Kern“. Der Verfasser: Robert Misik. Für die Historikerin Dr. Barbara Toth ist es „absolut lesenswert“. Im Prinzip stimmt das wohl.

Ich las die 191 Seiten, die inhaltlich gut sind, auch wenn sie ein persönlicher Freund von Kern schrieb. Und es ist teilweise niveauvoll und nicht einfachhin vor der Wahl hingeschmissen. Unterschwellig findet sich Nachdenkliches zum Politiker Kern, der angeblich Grundsätze über politische Strategie stellt.

Christian Kern wuchs im Wiener Randbezirk Simmering auf. Sein Vater war Arbeiter (Installateur), die Mutter besuchte eine Handelsschule, war Sekretärin und tat alles, damit ihr Sohn eine gute Ausbildung erhielt, obwohl die Volksschul-Lehrerin ihn zuerst als nicht reif für das Gymnasium beurteilte.

Das Buch gibt ein schlüssiges Portrait vom Kanzler – von seiner Studienzeit, der Tätigkeit als Wirtschaftspublizist, dann in der E-Wirtschaft und Bundesbahn: Und es spart nicht mit kritischen Notizen zur Partei. Es legt Interna dar, die Medien nicht aufgreifen – so nennt Misik die Namen eines Strategiekreises, so erfahren wir, dass Kerns frühere ÖBB -Sekretärin nun das Dr. Karl-Renner-Institut, die Partei-Akademie, leitet.

Differenziert legt Kern seine Solidarität mit Flüchtlingen dar und nimmt auch Abstiegsängste und kulturelle Irritationen der kleinen Leute ernst. Es klingt an, dass liberal-soziale Intellektuelle sich bisher zu sehr den Genderfragen und ethnischen Minderheiten widmeten.

Erst am Buchende finden sich die brisanten Texte: „Wenn Migration nicht nur Bereicherung ist“ und „Wie patriotisch dürfen Progressive sein?“. Verlegenheit des Autors. Dazu füge ich ein Wort, das den gordischen Knoten löst – vom russischen Philosophen W. Solowjow: Liebe deine Volk und achte die anderen Völker (Politisch korrekt: „Ethnien!“…). Mit dem belasteten Wort Heimat befasse ich mich im Buch Bin kein Tourist, ich wohne hier. Das war 2002 –zu früh. Ja ein Buch…Vergiss es und amusiere Dich, Publikum, mit dem köstlichen Film „Monsieur Claude und seine Töchter“! Jede heiratet „ mulitkulturell“, und da entsteht hintergründige Komik.

 

 

Plädoyer für verantwortungsvollen Journalismus

Tipp: Neues Buch von Andreas Koller

Udo Bachmair

Wozu Journalismus dient, woran er krankt und was das mit Politik zu tun hat, erläutert  Andreas Koller in seinem jüngsten Buch recht anschaulich. Engagiert vermittelt der stellvertretende Chefredakteur der Salzburger Nachrichten journalistische Arbeitsweisen und Denkprozesse- und regt an, den eigenen Umgang mit Medien und Nachrichten zu überdenken.

Andreas Koller hat hohe Erwartungen an das, was Qualitätsjournalismus ist bzw. sein sollte : Meldungen hinterfragen, auf Richtigkeit überprüfen, bevor sie veröffentlicht werden; Zusammenhänge analysieren; Gegenmeinungen einholen und darstellen; Menschen aus der Echoblase der Sozialen Medien locken; eigenständiges Denken jenseits gewinnbringender Schlagzeilen und populistischer Manipulation fördern.

Ein sehr aufschlussreiches und lesenswertes Buch gerade in Wahlkampfzeiten. Ein wichtiger Beitrag auch zur Bereicherung der Medienkultur in unserem Land.

Andreas Koller: „Journalismus. Macht. Wirklichkeit“ – erschienen im Picus-Verlag Wien 2017

Wahlkampf 2017: Rechtspopulisten in Politik und Boulevard geben den Ton an

Machtlos gegen den Rechtspopulismus ?

Udo Bachmair

Auch wenn der Wahlkampf für die Nationalratswahl zurzeit noch hochsommerlich dahinköchelt, wird er recht bald wieder von der „Flüchtlingskrise“ dominiert sein. Neben Straches FPÖ wird „Jungpopulist“ ( Der Spiegel ) Sebastian Kurz alles daransetzen, dieses Reizthema so intensiv wie möglich zu „bespielen“. Natürliche Verbündete sind dem Obmann einer einst christlichsozialen Partei der Boulevard, allen voran das Krawallblatt „Österreich“ und die rechtspopulistische Kronenzeitung. Sie lassen in Glossen, in ausgewalzten Kriminalstories, in denen überwiegend Ausländer verdächtigt werden, sowie in einseitig ausgewählten Leserbriefen nichts unversucht, einen Notstand als Folge der „Flüchtlingsströme“ herbeizuschreiben. Das Feindbild Asylwerber und Ausländer insgesamt wird in Schwarz-Weiß-Manier unermüdlich bekräftigt. Kein Wunder, dass auch Menschen, die noch nie in ihrem Leben konkrete Erfahrungen mit Migranten gemacht haben, mit Hass, Vorurteilen und Gewaltfantasien infiziert werden.

„Die hätte man alle über den Haufen schießen müssen“ – so äußerte sich jüngst etwa ein offenkundiger Rassist in einem Lokal in Bad Radkersburg, als es um die Frage ging, was man tun hätte sollen, als im Herbst 2015 zahlreiche Flüchtlinge – unter ihnen auch viele Frauen mit Kleinkindern – über die Murbrücke von Slowenien nach Österreich gekommen waren. Tags darauf bin ich in Eisenerz auf der Straße Ohrenzeuge aggressiver Wutausbrüche geworden: „Politiker, die zulassen, dass Asylwerber hier angesiedelt werden, gehören an die Wand gestellt…“ Äußerungen dieser Art lassen für die Zukunft Schlimmes erahnen, umso mehr dann, wenn Humanität, Empathie und Solidarit weiter an Wert verlieren. Angesichts dieser Entwicklung erscheint es umso verantwortungsloser, wenn Rechtspopulisten in Politik und Boulevardmedien die Lage weiter anheizen.

Aber wie dem grassierenden Rechtspopulismus, Rechtsradikalismus und Rassismus begegnen ? Entsprechende Handreichungen bietet ein neues Buch des Soziologen und Populismus-Forschers Prof. Walter Ötsch. Titel: „Populismus für Anfänger. Anleitung zur Volksverführung“, erschienen vor kurzem im Westend-Verlag. Zentrale These des Buches, das Ötsch gemeinsam mit der Falter-Journalistin Nina Horaczek verfasst hat: „Der Rechtspopulismus besitzt einen einfachen Kern: Hier sind WIR und dort sind die ANDEREN“. Es gibt nur Gute, wir das „Volk“ sowie Böse, das sind Ausländer, vor allem Moslems. Im Umgang mit rechten Demagogen rät Ötsch: „Nicht provozieren lassen. Eigene Inhalte in den Vordergrund stellen. Sachlichkeit mit Emotion verbinden. Positivbilder gegen Negativbilder stellen. Und nicht zuletzt: den Humor nicht vergessen.“ Letzteres fällt einem angesichts der wachsenden Aggressionen jedoch immer schwerer..

Sauna und Politiker-Skandal

Hans Högl – Reportage

Heute Samstag 10 Uhr in einer Wiener -Sauna in einem „Arbeiter“- Bezirk. Acht Männer warten auf den Aufguss. Das Licht leuchtet rot. Da platzt es aus einem älteren, wohlbeleibten Sauna-Mann  heraus – Sätze großer Empörung:  „Jetzt hat der Schaden (der Salzburger Bürgermeister) drei Jahre Haft bekommen und ein Jahr unbedingt. Aber der wird bald frei herumlaufen. Diese Gauner. Da verdienen diese Politiker 11-oder 12. 000 € und können immer noch nicht genug haben“.

Schweigen in der Männer-Runde und Zustimmung – nein: Da kommt halblaut, sanft gesagt ein Einwand von einem Mann der gleichen Vorstadt. Er leitete eine Schule im Bezirk, stammt aus dem gleichen Milieu und trifft sich hier regelmäßig mit alten Freunden. –

„Aber der Schaden hat sich nicht persönlich bereichert“. Da schweigen der erste Sprecher und die Runde. „Ja, und der Müllner, er war in NÖ Politiker, hat vor vielen Jahren Geld verschoben wie der Salzburger Bürgermeister. Persönlich hat er sich nicht bereichert, hat aber Gelder nicht zweckgebunden verwendet – für den Bau der Südstadt bei Mödling.“ Dann erinnere ich daran, dass die Kronen-Zeitung bei Politikern immer nur die Brutto- und nicht Netto-Bezüge anführt – nach Abzug der hohen Steuern und dass unser Sozialsystem recht gut ist und wer will, kann ja auswandern – nach Indien oder Amerika. Darauf ein anderer Saunabesucher auf einer höheren Sitzlage: „Erst wenn man im Ausland ist, erkennt man die Unterschiede“. Schweigen.

Kommentar: Der Fall zeigt, wie sich kleine Leute nur an riesigen Schlagzeilen und roten Übertiteln wie in der heutigen „Krone“ auf Seite 1 orientieren, ohne deren Text weiter hinten genauer gelesen oder verstanden zu haben. Oder  gar in einem angesehenen Blatt. Es wäre empfehlenswert, wenn sich Journalisten  von ihren Höhen fallweise in die intellektuellen Niederungen einer  Vorstadt-Sauna verirrten und sie nach einer Fahrt mit der U-6 am Gürtel aufsuchten. Keinen  Journalisten und keinen Politiker sah  ich je dort.

Zum Hintergrund: Heinz Schaden war seit 1999 Bürgermeister der Stadt Salzburg. Er wurde verurteilt, weil er Zinstauschgeschäfte (giftige Derivate) und somit einen Millionenverlust von der Stadt Salzburg auf das Land Salzburg verschob – in Einwilligung seiner SPÖ-Landes-Parteifreunde. Darum die Verurteilung wegen Veruntreuung am 28. Juli.  Alles das stimmt nachdenklich: Manche,  die Milliarden beim Hyposkandal zum Schaden der Republik verschoben, erfreuen sich hoher Positionen. Darum sind jetzt auch einige Printmedien ziemlich kleinlaut oder milde in der Beurteilung.

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Wir leben in einem Land, in dem…

Udo Bachmair

Wir leben in einem Land, das so manch seltsame Blüten treibt. Ein Land, dessen Medienlandschaft eine europaweit beispiellos hohe Konzentration an Boulevardblättern speziell im Großraum Wien aufweist. Ein Land, dessen politisches Spektrum links der Mitte nahezu völlig verwaist ist. Ein Land, das materiell zu den reichsten der Welt zählt, gleichzeitig aber die Zahl der Armen und Amutsgefähdeten in die 100.000e geht.

Ein Land, dessen Eigentümlichkeiten auch in der Innenpolitik zutage treten. Deren Implikationen interessierten NichtösterreicherInnen in allen Facetten verständlich zu machen, erscheint nicht immer ganz leicht. Zusätzlich wird der Wahlkampf für die bevorstehende Nationalratswahl wohl nur wenig zur Klärung der Widersprüchlichkeiten dieses an sich so schönen Landes beitragen.

Der Komplexität der Thematik hat sich die renommierte Journalistin Livia Klingl in einem treffenden Facebook-Kommentar angenähert, der Ihnen nicht verborgen sein soll:

wir leben in einem land, in dem die große mehrheit einigermaßen anständig ist – aber eine partei die umfragen anführt, die die totalüberwachung will.

ein land, in dem bis heute hunderttausende den bedürftigen helfen – aber eine partei vorne liegt, die diese hilfe nicht honoriert und die totalabschottung propagiert.

ein land, das auf dem drittsichersten platz in der statistik liegt, aber von der führenden partei dargestellt wird, als wäre es so gefährlich wie somalia.

ein land, dessen hauptstadt seit jahren die rankings der lebenswertesten städte anführt, aber von der umfragenstärksten partei dargestellt wird wie kibera, der größte slum afrikas.

ein land, in dem die große mehrheit arbeitet, aber eine partei vorne liegt, die tut als gäbe es nur sozialbetrüger.

ein land, in dem die armen immer mehr werden, aber eine partei führt, die so tut, als würde sich leistung zwingend lohnen und wer nichts erreicht, der ist eben selber schuld.

ein land, in dem die mehrheit eine erbschaftssteuer will, aber eine partei, die dauernd nach mehrheiten schielt, strikt gegen verteilungsgerechtigkeit ist.

ein land, in dem der chefdiplomat keine ausbildung hat, sodass er immer neue feinde findet, aber da kann man dann über die reaktionen aus dem ausland beleidigt sein und des österreichers liebste tätigkeit, den schulterschluss, üben.

diese logik wenn mir jemand erklären könnte!“

( Livia Klingl, 1998 – 2007 Außenpolitik-Chefin des KURIER )