Ende der Zeitung?
Economist u. Neue Zürcher Zeitung auf Qualitätskurs
Die britische Wochenzeitung „Economist“ und die „Neue Zürcher Zeitung“ reüssieren mit Qualität.
Zur „Neuen Zürcher Zeitung“(NZZ): Seit dem 2. Weltkrieg wird sie als verlässliche Quelle eines neutralen Staates sehr geschätzt. In Relation zu 4.5 Millionen deutschsprachigen Schweizern hat sie disproportional großen Einfluss. Die Schweiz nimmt teil an globaler Wirtschaft, und die NZZ ist dafür ein Symbol.
Gemäß meiner jahrelangen Leseerfahrung mit der Neuen Zürcher bekenne ich ehrenamtlich- nur mit dem Interesse, auf beste Quellen hinzuweisen: Fast jede Lektüre der NZZ bereichert mich, sie informiert solide, bietet teils überraschende Hintergrundinfos, nennt die Dinge beim Namen und zwar direktUnd ohne Schminke. So ist sie ein Positivbeispiel gegen das oft berechtigte
Negativ-Gerede über Medien. Das Ansehen von NZZ-Redakteuren in der Schweiz liegt ein wenig unter dem von Universitätsprofessoren.
Für die NZZ recherchieren an die 40 Korrespondenten weltweit vor Ort. Diese Zahl ist in Europa ein Spitzenwert. Vielleicht kommen dem Le Monde, die „Frankfurter Allgemeinen“ und die Londoner „Times“ nahe.
Die NZZ steht den „Freisinningen“ nahe, also wirtschaftsliberalen Kreisen. Personen mit weltweiten Investitionen brauchen verlässliche und gründliche Infos. Der Kreis der Aktionäre ist klein und nicht beliebig- entweder sind sie freisinnig oder ohne Partei (Oe1 Sendung Diagonal / 29. Mai 2010). ,Auch ein prominenter Schweizer Sozialdemokrat sieht in der NZZ ein Blatt höherer Kategorie. So sagte er es zu mir. Sicherlich ist die gewerkschaftliche oder soziale Seite in ihr unterrepräsentiert, das findet sich eher in der „Süddeutschen“. Aber die NZZ schrieb kürzlich von einem Manager, der die Garantien der Schweizer Regierung für zwei Banken als bedenklich hoch für das Schweizer Volk.
Das Feuilleton erschließt den romanischen, slawischen und deutschsprachigen Raum in erstaunlicher Qualität. Für Dr. Erhard Busek ist sie die „beste Zeitung Österreichs“. Sie entdeckte längst den Salzburger Schriftsteller Kappacher vor den Wien-lastigen österreichischen Blättern. .
Die Finanzkrise streifte auch die NZZ, denn ihre Inserenten sind Banken und die Branchen Uhren, Schmuck und Reisen (Diagonal s. o). Aber die NZZ steht abgesichert da und sie glaubt am Verkauf von Qualität, aber ist offen für neue inhaltliche Formen und bietet auch ein NZZ-Format im Fernsehen. Ich empfehle die Lektüre der Druckausgabe der NZZ oder auch online: www.nzz.ch
Nun zum britischen Wochenblatt „Economist“.
ECONOMIST – deren Redakteure sind im Kern Oxford- Absolventen. Sie bietet weltweite, solide Hintergrundanalysen und greift Entwicklungen oft voraus (Ausnahme: Bankenkrise) und bietet Qualität ohne layout – Mätzchen.
Die Auflage ist weltweit stabil: 1,2 Millionen. Die Einnahmen über Annoncen stiegen 2008 um 25 %. Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr. 227, 2009-10-02, p. 23. ü
Die „Süddeutsche“ verweist ferner auf das neue Magazin mit Namen The Week, die Auszüge aus den besten Kolumnen in englischen Zeitungen und dem Rest der Welt bietet- als Gegenmittel zur Informationslast und dem medialen Durcheinander. Verkauf in den USA: 500.000 Exemplare.
Gilt die Erzählung, dass Menschen für Infos nichts zahlen wollen? Kann Qualität in Medien doch bleibenden Erfolg verzeichnen? Das britische weltweit gelesene Wochenmagazin Economist und die NZZ scheinen es zu beweisen, andere Magazine wie Newsweek, Time, Focus und der Spiegel sind auf der Verliererseite.
Ergebnisse im Einzelnen:
Time:
1989: Auflage 5 Millionen. ü
2009: Auflage 3,4 Millionen. ü Folge: 14 % weniger Einnahmen durch Annoncen.
Newsweek:
1988: Auflage 4 Millionen
2009: Auflage 2,7 Mill. ü Folge: 27 % weniger cash durch Annoncen ü
Bei teuren internationalen Korrespondentenbüros soll in den USA gespart und mehr Analyse und Kommentar geboten werden und weniger teure Information. (kann dies der richtige Weg sein? fragt Medienkultur)
Auch große Anzeigenverluste haben SPIEGEL und Focus.